iPad (10. Generation) Test: Der neue Look, alte Kompromisse

Das iPad (10. Generation) ist Apples Einstiegs-Tablet und gleichzeitig das erste Basismodell der Reihe, das optisch und funktional deutlich näher an die teureren Air- und Pro-Modelle heranrückt. Randloses Display, USB-C-Anschluss und ein moderneres Design ersetzen das jahrelang unveränderte Vorgänger-Layout mit Home-Button – gegen einen spürbaren Preisaufschlag gegenüber dem einstigen Basismodell.
Display: randlos, aber ohne Laminierung
Das 10,9 Zoll große Liquid-Retina-Display löst mit 2360 × 1640 Pixeln auf und bietet dank des randlosen Designs deutlich mehr nutzbare Bildschirmfläche als der Vorgänger. Die Bildwiederholrate bleibt bei 60 Hz, was gegenüber den 120-Hz-Displays des iPad Pro und mancher Android-Konkurrenz wie dem Xiaomi Pad 6 weniger flüssig wirkt. Zudem ist das Display nicht laminiert, wodurch bei Nutzung des Apple Pencil ein spürbarer optischer Abstand zwischen Stiftspitze und dargestelltem Strich entsteht – für gelegentliche Notizen kein Problem, für ambitionierte digitale Kunst aber ein echter Nachteil gegenüber dem iPad Air oder Pro.
Leistung: der bewährte A14 Bionic
Im Inneren arbeitet der Apple A14 Bionic, derselbe Chip, der bereits im iPhone 12 zum Einsatz kam. Trotz seines Alters bewältigt er alltägliche Aufgaben wie Surfen, Streaming, Videoanrufe und die meisten Apps aus dem App Store weiterhin flüssig. Bei anspruchsvollen Kreativ-Apps oder grafisch aufwendigen Spielen zeigt sich der Leistungsunterschied zu den M-Chip-Modellen der Air- und Pro-Reihe jedoch deutlich. Für Einsteiger, Studierende und alle, die das Tablet vorwiegend zum Konsumieren von Inhalten nutzen, reicht die Leistung dennoch für mehrere Jahre völlig aus.
Kamera und Zubehör: eine ungewöhnliche Entscheidung
Apple hat beim iPad (10. Generation) die Frontkamera auf die Querseite verlegt, was bei horizontaler Nutzung – etwa während Videoanrufen mit angeschlossener Tastatur – deutlich praktischer ist als die zentrierte Position bei älteren Modellen. Die 12-Megapixel-Hauptkamera und die 12-Megapixel-Ultraweitwinkel-Frontkamera liefern solide, aber nicht herausragende Ergebnisse. Eine kuriose Einschränkung: Das Basis-iPad unterstützt nur den älteren Apple Pencil (1. Generation), der über einen unhandlichen USB-C-auf-Lightning-Adapter geladen werden muss, obwohl das Tablet selbst bereits einen USB-C-Anschluss besitzt – eine der eigenwilligsten Design-Entscheidungen in Apples aktuellem Tablet-Lineup.
iPadOS: der eigentliche Trumpf
Der größte Vorteil des iPad gegenüber Android-Tablets bleibt die Software: iPadOS bietet eine deutlich größere und besser für den großen Bildschirm optimierte App-Auswahl als der Play Store, inklusive vieler professioneller Kreativ- und Produktivitäts-Apps, die es für Android schlicht nicht gibt. Apple sichert zudem in der Regel fünf bis sechs Jahre Software-Updates zu – ein Bereich, in dem selbst Samsungs verbesserte Update-Politik meist nicht ganz mithalten kann.
iPad vs. Galaxy Tab A9: die Einsteiger-Frage
Wer zwischen dem iPad (10. Generation) und dem deutlich günstigeren Galaxy Tab A9 schwankt, sollte sich vor allem für das Ökosystem entscheiden, in dem er bereits verankert ist. Besitzer eines iPhones profitieren vom iPad durch nahtlose Integration über AirDrop, Handoff und iCloud, während Android-Nutzer beim Galaxy Tab A9 eine vertrautere Bedienung und einen deutlich niedrigeren Einstiegspreis erhalten. Wer kein bestehendes Ökosystem hat, sollte die App-Auswahl und die längere Update-Unterstützung des iPad gegen den niedrigeren Preis und die microSD-Erweiterbarkeit des Tab A9 abwägen.
Speicherausstattung und Farboptionen
Apple bietet das iPad (10. Generation) in zwei Speicherstufen an: 64 GB und 256 GB – eine bewusste Lücke, die viele Käufer dazu bewegt, direkt zur größeren Variante zu greifen, da 64 GB bei intensiver Nutzung mit Fotos, Apps und Offline-Inhalten schnell knapp werden können. Das Tablet ist zudem in vier auffälligen Farben erhältlich (Blau, Rosa, Gelb, Silber), was einen deutlichen Kontrast zum eher zurückhaltenden, gedeckten Design der Pro- und Air-Modelle darstellt und das Basismodell optisch auch für jüngere Zielgruppen und Schulen besonders attraktiv macht.
Verarbeitung und Akkulaufzeit
Das Aluminium-Unibody-Gehäuse fühlt sich trotz des Einstiegspreises hochwertig an und unterscheidet sich in der Verarbeitungsqualität kaum von den teureren iPad-Modellen. Mit einem Gewicht von rund 477 Gramm liegt es angenehm in der Hand. Der Akku mit 28,6 Wattstunden liefert laut Apple bis zu zehn Stunden Nutzungsdauer beim Surfen im WLAN, was sich in der Praxis bei gemischter Nutzung – Video, Web, Apps – gut bestätigt. Geladen wird über den nun endlich verbauten USB-C-Anschluss, der auch das Laden anderer Geräte wie kabelgebundener Kopfhörer oder eines Smartphones direkt vom Tablet aus ermöglicht – ein praktisches Detail auf Reisen ohne zusätzliches Ladegerät.
Zubehör: Tastatur und Apple Pencil im Detail
Für das Basis-iPad bietet Apple ein eigenes Magic Keyboard Folio an, das sich optisch an das teurere Magic Keyboard der Pro-Modelle anlehnt, aber eine sichtbare Tastenreihe für Funktionstasten besitzt. In Kombination mit der Tastatur eignet sich das iPad gut für E-Mails, Dokumentenbearbeitung und leichte Büroarbeit, auch wenn die App-Multitasking-Funktionen von iPadOS auf dem Basismodell nicht ganz so umfangreich ausfallen wie bei den Pro-Modellen mit M-Chip. Die Einschränkung auf den älteren Apple Pencil (1. Generation) bleibt dabei der auffälligste Kompromiss im gesamten Paket.
Häufige Fragen zum iPad (10. Generation)
Lohnt sich ein Upgrade vom iPad (9. Generation)?
Besitzer des neunten iPads profitieren vom randlosen Display, dem moderneren Design und dem USB-C-Anschluss, verlieren aber die Kompatibilität mit dem günstigeren, klassischen Smart Keyboard. Wer mit dem älteren Design und Lightning-Anschluss zufrieden ist, muss nicht zwingend upgraden.
Warum unterstützt das iPad nicht den zweiten Apple Pencil?
Der Apple Pencil (2. Generation) lädt magnetisch an der Seite des iPad Pro und iPad Air – eine Hardware-Funktion, die dem Basismodell fehlt. Diese Differenzierung ist eine bewusste Produktstrategie von Apple, um einen klaren Abstand zu den teureren Modellen zu wahren.
Ist das iPad für Schule und Studium geeignet?
Ja, insbesondere in Kombination mit Notiz-Apps, Cloud-Speicher und der breiten Auswahl an Bildungs-Apps im App Store. Die lange Update-Unterstützung macht es zudem zu einer soliden Langzeit-Investition über die gesamte Schul- oder Studienzeit hinweg, und der große Bildschirm eignet sich gut für gemeinsames Lernen und Präsentationen im Klassenzimmer.
Für wen lohnt sich das iPad (10. Generation)?
Das iPad (10. Generation) eignet sich hervorragend für Einsteiger ins Apple-Ökosystem, Studierende und Familien, die ein zuverlässiges, gut unterstütztes Tablet für Alltagsaufgaben suchen. Wer intensiv mit dem Apple Pencil arbeiten möchte oder ein 120-Hz-Display erwartet, sollte das zusätzliche Budget für das iPad Air investieren – für die meisten anderen Käufer bietet das Basismodell aber ein rundes, gut durchdachtes Gesamtpaket mit der besten Software-Langzeitunterstützung am gesamten Tablet-Markt und einem Wiederverkaufswert, der bei Apple-Produkten traditionell überdurchschnittlich hoch ausfällt.
Siehe auch
iPad (10. Generation) Produktseite · Galaxy Tab A9 Test · Galaxy Tab S9 Test
Weiterführende Artikel
Unser Wiederverkaufswert-Ratgeber erklärt, wie sich Tablets wertmäßig anders entwickeln als Smartphones.